Spielend Russisch lernen
Russisch für Zweijährige. Seit September hören und erleben elf Mädchen und Jungen der Kita Spatzenhaus diese fremde Sprache. An drei Nachmittagen der Woche. Natallia Schön, Kinderpsychologin und Sonderpädagogin, spricht die Kleinen in ihrer Muttersprache an. Beim Spielen, Bilderbücher anschauen, Anziehen. In jeder Situation. Deutsch redet sie in dieser Zeit nicht. Auch nicht mit Erzieherin Manuela Rathjen. Die ist erstaunt, dass »vom eigenen Schul-Russisch noch viel da ist«.
»Was wir nie vorhatten, war eine Fremdsprache als Unterricht, einmal pro Woche für viel Geld«, erklärt Kita-Leiterin Karin Muchajer. Nicht alle Eltern wären in der Lage, das bezahlen zu können und von vornherein würden Kinder ausgeschlossen. »Was wir suchen, sind Muttersprachler, die mit Lust, Geduld und Liebe Kindern ab zwei Jahre eine fremde Sprache übermitteln, zum Hören und Erleben.«
Im August 2005 übernahm sie die Gruppe der Eineinhalbjährigen. Dazu gehört Miriam Schön. Mit ihrer Mama, einer aufgeschlossenen, sympathischen Frau, besprachen Kita-Leiterin und Erzieherin die Idee, mit den Kleinen Russisch zu sprechen. »Natallia ist für uns ein Glücksfall«, versichert Karin Muchajer. Dieser wurde ausgelöst durch einen Anruf aus Wiesbaden. Ein Kollege Schön, dem Karin Muchajer vor Jahren bei einem Seminar begegnet war, hatte sich an ihren Namen, an das Spatzenhaus erinnert. Er bat um Starthilfe für die Familie von Sohn Martin, der, nachdem die Uni in Minsk geschlossen wurde, sein Studium an der Viadrina fortsetzte.
Die junge Familie wohnt seit Januar dieses Jahres in Neuberesinchen. »Mühlenweg, fünfte Etage, eine phantastische Aussicht«, schwärmt Natallia Schön. In wenigen Tagen beendet die Pädagogin ihren Sprachkurs Deutsch. Danach möchte sie ihr freiwilliges Engagement in der Spatzenkita auf fünf Wochentage mit je zwei Stunden erweitern.
Und Polnisch? »Auch das haben wir vor. Die Aussicht ist gut.« Manuela Rathjen ergänzt: »Mehrsprachigkeit wird bei uns immer aktueller.« Jolina wird abgeholt. Ihre Mutter glaubt, dass ihr Töchterchen »einfache Worte und Begriffe versteht«. Sie habe selbst zwei Fremdsprachen erlernt. Und warum nicht Russisch, das sei »nicht schlecht«.
(Dieser Artikel erschien am 27. Oktober 2005 in der Märkischen Oderzeitung)



